Jens Walter empfiehlt dieses Buch auf der Seite lehrerbibliothek.de:
Die Arbeit ... nimmt dezidiert Stellung gegen die Medikalisierung und Medizinierung der angeblichen "Krankheitssymptome" von AD(H)S. Eindeutig bringt sie die Alternative auf den Punkt: "Jeder Erzieher unkonzentrierter Kinder muss sich zwischen dem Glauben an Krankheit und dem Glauben an Erziehbarkeit entscheiden." Dieses klare Votum scheint nützlich angesichts des Eindrucks, dass Eltern, Erzieher und Ärzte allzu schnell und allzu bereitwillig auf die medikamentöse Behandlung setzen; dahinter mögen nicht nur Wirtschaftsinteressen der Pharma-Industrie stehen, - es ist immer auch einfacher Pillen zu geben als nachhaltige Erziehung zu praktizieren ... Fazit: Ein wichtiger Weckruf in die AD(H)S-Debatte hinein!
Dr. Lothar Unzner (Interdisziplinäre Frühförderstelle, Steinhöring) schreibt:
„...Die Medikalisierung bedingt große Risiken für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Nach Ansicht der Autorin ist die Aussicht gering, dass Kinder während der Medikation angemessene Erziehung erhalten, schließlich gleicht das Ergebnis oberflächlich betrachtet einer Konzentrationserziehung. Die pharmakologische Steuerung der Antriebe steht aber zum Beispiel im Widerspruch zur Befriedung der Antriebe durch Gewöhnung. Bei Medikation nimmt der Erzieher seine Aufgabe nicht wahr, er kann sie auch nicht wahrnehmen, da die Antriebe künstlich unterdrückt werden. Es wird betont, dass Kinder "ein Kinderleben lang" fordern, nicht nur AD(H)S-Kinder; Erziehung darf nicht als lästige Pflicht verstanden werden.
... Deshalb fordert sie zu Recht, dass bei vorliegenden Konzentrationsschwierigkeiten zunächst alle erzieherischen Verstehens- und Veränderungsmöglichkeiten genutzt werden sollen. ... Es ist ein Verdienst von Miriam Stiehler, die Diskussion um AD(H)S mit diesem radikal verstehenden pädagogischen Ansatz zu bereichern. Die Paul Moor eigene Diktion ist gewöhnungsbedürftig, vermittelt jedoch eine klare Wertorientierung.
Der vorgestellte Ansatz erfordert große Bereitschaft der Eltern, nicht den vermeintlich leichteren Weg zu gehen, sondern ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und zu verändern. Die Eltern tragen eine große Verantwortung; sie haben aber auch großes Veränderungspotential.“